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Autor Thema: DVD, VoD, Podcast - again  (Gelesen 4692 mal)
admin
Gast
« am: Januar 02, 2008, 12:13:23 pm »

"Nur sehr eingeschränkt auch lässt sich das US-amerikanische DVD-Verleihgeschäft auf Deutschland übertragen. In einem so viel dichter besiedelten Land ist der Wunsch, sich den Gang zur Videothek zu ersparen, weit weniger ausgeprägt. Nur darin liegt ja der Vorteil der "digitalen Ausleihe".

Und Filme ohne Verfallsdatum herunterzuladen, ist ebenfalls wenig sinnvoll: Will man damit die stets zu kleine Festplatte verstopfen? Und überhaupt: Wer sieht schon gern Filme auf Computern oder Telefonen? Und Selbstgebranntes verfällt ja nach allgemeiner Einschätzung in ein paar Jahren zu Datenmüll. Da kauft man doch lieber eine DVD.

Ganz unabhängig von derartigen Markt-Spekulationen verändert sich freilich derweil die Filmkultur durch das Internet. In kürzester Zeit haben sich Tauschbörsen zu Fundgruben für Seltenes und nahezu Verschollenes entwickelt. Filmhistoriker, die früher nach dem Hörensagen urteilten und die Sehfehler ihrer Ahnen abschrieben, haben ein Werkzeug in der Hand, sich selbst ein Urteil zu bilden. Als das Trickfilm-Festival von Annecy zum Beispiel einen mustergültigen Kanon der hundert wichtigsten Animationsfilme seit 1895 erstellte, fanden sich vier Fünftel davon bald darauf - ordentlich gebündelt - im Netz. Die meisten davon sind nie auf DVD erschienen, einige so rar, dass sie selbst Experten ein Geheimnis blieben. Und das Kabinettstückchen-Portal Youtube entwickelt sich gerade im Kunst- und Avantgardebereich zu einem wahren Dorado.

Welche Mühen mussten Kunstgeschichtsstudenten noch vor wenigen Jahren auf sich nehmen, um wichtige Werke der Videokunst sichten zu können? In vielen Fällen reicht es heute aus, den Titel in ein Fensterchen zu tippen. Besonders dem Kurzfilm kommt die plötzliche Übersicht ungemein zu Gute. Und was für ein Ansporn für die professionellen Filmvermittler: Längst vorbei sind die Zeiten, als kein Filmstudent mehr etwas mit den Worten "Caligari", "Ruttmann" oder "Fischinger" anzufangen wusste. Wer heute Film lehrt, kann sich nicht mehr darauf zurückziehen, etwas Seltenes zu kennen und ab und zu weihevoll ein Schatzkästlein zu öffnen. Oder Filmtheorie zu vermitteln, die nur für einen kleinen Klassiker-Kanon funktioniert. Endlich erfüllt sich auch in der visuellen Kultur der Traum weitgehender Verfügbarkeit. Studenten können seltene Filmclips so lässig in ihre Referate zaubern wie man früher Kunstgeschichts-Dias aus der Tasche zog.

Lange bevor die Filmindustrie etwas mit dem Internet anzufangen weiß, hat die Filmgeschichte davon Besitz ergriffen. Und das Schönste: Verkaufen ließe sich fast nichts davon. Sonst wären die Filme ja nicht zu einer Seltenheit geworden.

zitiert aus: Der virtuelle Apfel zum Einheitspreis
Im Internet blüht die Filmgeschichte
VON DANIEL KOTHENSCHULTE

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?sid=ac3f419840c45ed80ddcac77f019b526&em_cnt=1265515





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