T-H-E-N-E-T
September 18, 2019, 09:31:20 am *
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
News: SMF - Just Installed
 
   Übersicht   Hilfe Suche Einloggen Registrieren  
Seiten: [1]
  Drucken  
Autor Thema: Müll trennen im Netz  (Gelesen 6518 mal)
admin
Gast
« am: Mai 02, 2008, 03:51:55 pm »

Teenie im Müll

15 Jahre World Wide Web: Aus der Revolution Internet droht ein Albtraum zu werden

Von Caroline Fetscher
 

Das World Wide Web ist 15 Jahre alt. Internet- Anschlüsse gibt es längst nicht mehr nur in den wirtschaftlichen Metropolen, sondern in entsprechend ausgerüsteten Cafes an entlegensten Winkeln der Welt. Abertausende der Milliarden Anschlüsse, die heute gezählt werden, finden sich in Andendörfern oder afrikanischen Vorstädten. In den Industrienationen nutzen es Haushalte aus nahezu jeder Schicht, und sei es nur, um auf Ebay Turnschuhe zu ersteigern oder Chatrooms zu besuchen. Jedwedes Business ist ohne Online- Zugang undenkbar geworden, von der Billigpension bis zur Großbank sind alle darauf angewiesen, „im Netz“ zu sein. Wer nicht drin ist, ist out, draußen. Universitäten, die zu den ersten Nutzern gehörten, arbeiten selbstverständlich mit dem Internet als Datenbank und Austauschplattform, wie Behörden, Raumfahrt, konfessionelle Gruppen, Politiker und sogar Gangster und Terrornetzwerke nicht mehr ohne auskommen. Lobbyisten für Menschenrechte oder Klimaschutz verwenden das Netz, um auf allen Kontinenten ihre Message zu verbreiten.

 Als bisher größte, weltweite, soziale und kommunikative Revolution ist das Internet vom Alter her betrachtet zwar mitten in der Pubertät. Seine Technologie jedoch hat sich rasanter entwickelt, als alle anderen umwälzenden Innovationen, schneller als Fotografie, Eisenbahn, Telegrafie, Fernsprecher. Büroalltag vor 15 oder 25 Jahren: Für heutige Teenager, die ihn nur aus Filmen, Berichten, Erzählungen kennen, nimmt sich das aus wie ein vorindustrielles Szenario. „Steinzeit!“ sagen sie und lachen die Vergangenheit aus, als hätten sie allesamt die Zukunft erfunden, in der wir heute leben. Wirklichkeit, Gegenwart geworden scheint die Utopie einer Globalisierung von Partizipation und Kommunikation, die Vergesellschaftung von Wissen und Austausch, per Flatrate zu haben. Das Internet nicht zu begrüßen, ist Heuchelei.

 Zugleich trägt diese Form des massenhaften Datenaustauschs ihre eigene Sabotage, ihren sozialen Virus, mit sich. Gewiss, es wird kommuniziert, das ist an sich immer Fortschritt. Aber wie? Worüber? Mit welchem Ziel und Sinn? Man muss gar nicht übermäßiges Moralisieren gegenüber dem Cyberspace mobilisieren, um zu erkennen, dass die Milliarden Daten auch das ungezählte Multiplizieren von Müll erlauben. Spam und Verschwörungstheorien, betrügerische Werbeangebote oder Ideologien wie Islamismus und Antisemitismus können auch da ausgesät werden, wo jeder Boden an Bildung fehlt, um die Angebote, die Erklärungsmodelle einordnen und sich dagegen immunisieren zu können. Es ist ein alter Hut, der zugleich immer neuer wird: Notwendig geworden ist inzwischen der systematische Unterricht bereits jüngster Kinder im Umgang mit dem virtuellen Raum. Zur Realitätsprüfung befähigt werden sie nur durch – Realität, die sie kritisch, analytisch, empirisch prüfen können. Aber die allererste Lehrergeneration wächst eben erst heran, die den Jüngeren das Mülltrennen im Netz überhaupt beibringen kann.

Quelle: erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 02.05.2008)


 Kommentare  [ 4 ] Kommentar hinzufügen »
 

 von     andrea    | 01.05.2008 23:35:24 Uhr
 
World wide - weitblick...

 ...zu behalten, ist eine Kunst angesichts überbordender Medienvielfalt.

 Die Medien ändern sich ständig, die Anforderungen wachsen
proportional mit deren Halbwertzeit: "Heute war gestern."

Wir sollten gelassen bleiben - wie die Autorin.




auf diesen Kommentar antworten

 


 von     joachim.goerner    | 02.05.2008 07:56:26 Uhr
 



 Gelassenheit sehe ich nicht angesagt. Und was die Lehrer angeht, da müssen die nur eins kapieren - und dann per Lehramt weitergeben - was ist schon eine website?

W a s
i s t
s c h o n
e i n e
W e b s i t e

Eine Website besagt überhaupt nichts. Das muss die Botschaft sein.

Wie man mit Verlockungen umgeht, mit Verführung, mit Verdummung bis hin zu Verarschung - das steht auf einem anderen Blatt und macht genauso wenig oder viel Sinn, wie ohne Internet.

Man muss zuerst immer das schöne an einer Sache erklären. Wenn man gleich erzählt ''Oh! Internet? Vorsicht!'' ist das schlecht.

Im Übrigen ist das Betriebssystem von Microsoft alles andere als perfekt. Dass man nach einem Download aus dem Netz erst einmal 1000 temopräre Dateien löschen muss, die den Rechner lahm machen, und 100 Dateien defragmentieren kann und den ganzen Festplatten-Inhalt neu anordnen muss, kann man wohl als unausgereift bezeichnen. Vielleicht ist das alles ja auch beabsichtigt. Vorgabe des US-Militärs.
 auf diesen Kommentar antworten

 


 von     conradt    | 02.05.2008 12:14:17 Uhr
 

 Die Aufgabe der Schule bei der Mülltrennung

 Erkennen Sie nicht die Widersprüche? Einerseits sollen "jüngste Kinder im Umgang mit dem virtuellen Raum" systematisch geschult werden, andererseits an die Realität herangeführt werden durch eine junge Lehrergeneration, die selber schon, bei ausgeprägter und versierter Internetnutzung, die empirische Wirklichkeit in einem eingeschränkten Maße wahrgenommen hat.
 Ach würden doch alle Menschen, die sich über Bildung äußern, sich Schulen von innen ansehen und nicht von ihren eigenen, lange zurückliegenden, Erfahrungen schreiben, denn auch die Institution Schule hat sich, wie die Medienlandschaft, enorm verändert. Und die Klischees, z.B. alte Lehrer verstehen nichts von neuen Medien, werden nicht interessanter, wenn sie immer wiederholt werden.
 auf diesen Kommentar antworten

 


 von     nolte    | 02.05.2008 13:50:27 Uhr
 

 Professionelle Auswahl bleibt gefragt

 Schön, daß das Internet solch ein Dschungel ist, können sich die Zeitungsmacher sagen. Denn Vielen fehlt einfach die Zeit, diesen Dschungel nach den wirklich wichtigen Informationen zu durchforsten. Ferner fehlt es an Orientierung und Seriosität im Internet, die ich professionellen Journalisten mit dem nötigen Weitblick eher zutraue. Stuttgarts Ex-OB Manfred Rommel sagte bereits mit einem Augenzwinkern: "Solange man mit einem Laptop keine Fliege erschlagen kann, wird es Zeitungen gehen".




Gespeichert
Seiten: [1]
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.11 | SMF © 2006, Simple Machines LLC Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS