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Autor Thema: Neues aus der Gotteswerkstatt  (Gelesen 6356 mal)
admin
Gast
« am: September 11, 2008, 01:07:42 pm »

CERN & Todessehnsucht

Der Countdown hat begonnen. Am CERN bei Genf hat einer der bedeutendsten Versuche in der Geschichte der Physik begonnen. Der Large Hadron Collider (LHC) – der größte Teilchenbeschleuniger der Welt – wird dafür eingesetzt, durch die Kollision von Protonen mehr über die Entstehung des Universums zu erfahren. Die größten Hoffnungen liegen darin, zum einen den Higgs-Mechanismus – ein theoretisches Erklärungsmodell für asymmetrisches Verhalten von Elementarteilchen – und zum anderen das Hawking'sche Zerstrahlungstheorem für schwarze Löcher zu belegen. Insbesondere Letzteres wäre eine Sensation, da bisher niemand genau weiß, was schwarze Löcher wirklich sind und wie sie sich verhalten. Im LHC werden Elementarteilchen beinahe auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und auch zur Kollision gebracht. Das CERN will so Fragen nach dem Aufbau des Universums auf die Spur kommen. Dabei werden Verhältnisse simuliert, wie sie nach dem Urknall geherrscht haben sollen.
Skeptiker bezweifeln die Versicherungen der am Experiment beteiligten Physiker, dass der Versuch ungefährlich ist.
Die Gefahr sei, dass sich ein kleines schwarzes Loch bilde und dann eben nicht zerstrahlen würde. Im CERN will man
davon eine Million pro Jahr produzieren, das sei genug, um zu prognostizieren, daß davon eines ganz sicher nicht zerstrahlen wird. Dieses würde dann herumkreisen und von Zeit zu Zeit mit einem Elementarteilchen, einem Atomkern oder einem Quark zusammenstoßen, und es auffressen. Die Frage, die bleibt, ist, wie lange es dann dauert, bis dieses kleine schwarze Loch genügend stark gewachsen ist, um schließlich die ganze Welt aufzufressen. Dieses schwarze Loch könne nur fressen, wobei sein Wachstum ähnlich funktioniere wie bei dem Geld das sich durch den Zins und Zinseszins auf dem Finanzmarkt vermehrt. 99,99 Prozent der Forscher am CERN glauben allerdings, dass die schwarzen Löcher zerstrahlen werden.

Als Einwurf zu den aus diesem Anlaß geführten Diskussionen sowie zur wissenschaftlichen Weltsicht im allgemeinen noch einmal Heinz von Foerster im Gespräch für den Film "Das Netz":

 
HvF: Es gibt unter den Fragen die wir stellen über die Welt solche, die man beantworten kann. „Heinz von Foerster,
wie alt sind Sie?“ Das kann man beantworten, da kann man nachschlagen im Katalog, also 1911 geboren - ist er 91....
oder man kann Fragen stellen, die nicht beantwortet werden können...
wie zum Beispiel „Heinz von Foerster, sag einmal, wie ist das Weltall entstanden?“ Na, da kann ich eine von den 35 verschiedenen Theorien aufsagen. Und ich frage einen Sternkundigen und der sagt: „Da war doch dieser Big-Bang
vor 20 Millionen Jahren“...oder ich frag einen braven Katholiken: „Jeder weiß wie das entstanden ist, da
hat Gott die Welt erschaffen...und nach 7 Tagen war er müde und hat eine Pause gemacht, das war der Sonntag“...
also da gibts verschiedene sehr interessante Hypothesen, wie das Weltall entstanden ist. Das heißt, es gibt deswegen so viele Hypothesen, weil die Frage nicht beantwortbar ist. So kommt es nur darauf an, wie interessant ist die Geschichte,  die jemand erfindet, wie das Leben im Weltall entstanden ist.

Frage: Da ist man natürlich ganz nah bei der Kunst...wenn´s darum geht eine gute Geschichte zu erfinden...eine poetische Geschichte.

HvF: Genau, genau....das ist die Sache. Es besteht ein Zweikampf, oder ein Dreikampf oder ein Zehnkampf between den verschiedenen Poeten. Wer erfindet eine lustige, amüsante oder interessante Geschichte, wo jeder sofort glaubt: so muß es gewesen sein!

Frage: Aber, die Wissenschaft, auch Ihre eigenen Forschungen...das sind doch nicht nur Erfindungen...
oder schöne Geschichten? Das beruht doch auf Mathematik, auf Zahlen, auf Beweisbarkeit, auf wissenschaftlich unbezweifelbaren Daten?

HvF: Ja...na, ja, aber es gibt jetzt schon so viele Daten, daß man garnicht mehr die ganzen Daten in seine „Geschichte“ hinein bringen kann...und dann werden dann künstliche Daten erfunden...das sind zum Beispiel Partikel, Teilchen, da werden Teilchen erfunden die das machen, was wir nicht verstehen. Also meiner Meinung nach sind Teilchen immer Lösungen von Problemen, die wir nicht andernweits lösen können. Also Erfindungen, um gewisse Probleme erklären zu können. Das sind Teilchen.

Frage D: Jetzt muß ich dumm fragen...

HvF: Ja, das versteh ich. Ja, lassen Sie´s mich a bisser´l besser erklären.
Sagen wir, es ist eine Lücke in meiner Theorie, da kann ich nicht mehr drüber springen. Da sag ich einfach: na, hier sind neue Teilchen, die entweder grün, gelb oder ....ich weiß nicht was sind...die ersetzen das Loch in meiner Theorie. So behaupte ich: jedes Teilchen, von dem wir heute in der Physik lesen, ist die Antwort auf eine Frage, die wir nicht beantworten können.

Frage: Also dieses Loch in der Theorie...ich komme von der Kunst, bin kein Mathematiker und für mich ist das eine Annäherung an eine fremde Materie und so habe ich mit großer Begeisterung vom „Gödelschen Unvollständigkeitssatz“ gelesen...ist das denn eine richtige Interpretation, daß das eine Lücke im Theoriegebäude der Mathematik aufzeigt?

HvF: Nein, es ist nicht die Lücke im Theoriegebäude der Mathematik, es ist eine Lücke in der Geschichte, die ich erfunden hab, um das Entstehen des Weltalls zu erklären.

Frage: Das heißt, der Gödelsche Unvollständigkeitssatz ist auch bloß eine Erfindung?

HvF: Ja, natürlich.

Frage: Und der stört sozusagen andere Erfindungen?

HvF: Genau. Der Big-Bang ist ja auch eine Erfindung, nicht...da kann man immer fragen: woher kommt dieser Big-Bang, und da können die natürlich sagen, da gibt es Teilchen, die wenn man genügend viele zusammensetzt, machen sie einen Big-Bang...oder so....na ich mach jetzt Blödel, aber so entsteht dann die Erfindung des Weltalls...

Frage: Meinen Sie denn, das Ihre Kollegen, die Mathematiker und die Logiker, nehmen wir mal den Spencer Brown, das die letztendlich, als Insider, das auch so betrachtet haben? Aber uns Laien ist das ja als „heilige Schrift“ erklärt worden...

HvF: Ja natürlich, die heilige Schrift muß das werden, was ich schreibe, denn sonst glaubt´s mir ja niemand.

Frage: Aber jetzt mal weiter gefragt. Wenn man auf der Basis von Logik und Mathematik technologische Systeme gründet und wachsen läßt...

HvF: Die Logik ist eben nur ein Beschreibungsapparat, so wie die Grammatik für Sprache. Die Logik ist ja nur eine Maschine, um mit gewissen Aussagen gewisse andere Aussagen machen...entwickeln läßt. Und der Übergang von A nach B, das ist was die Logik kontrolliert...also die Logik bringt ja garnichts Neues...die Logik macht es nur möglich, daß Sie von einem Satz, der etwas Verschwommenes hat... ableiten können, oder Sätze, die ähnlich verschwommen sind, ordentlich beweisen können.

Frage: Aber das ist doch schrecklich...wie kann man denn auf der Grundlage einer Theorie, die anscheinend Löcher hat....also, auf so einem wackeligen Fundament...also, Maschinensysteme...weltweit, sich weltweit ausdehnende Maschinensysteme...quasi ins Unendliche wachsen lassen?  Ist das denn nicht gefährlich?

HvF: Ja. In diesem weltweit funktionierenden Maschinensystem sind alle Aussagen richtig, und das ist natürlich das, was man gerne haben möchte. Und warum sind die richtig? Weil sie sich alle von anderen Aussagen ableiten lassen.

Frage: Wo führt das hin? Wie geht das denn weiter?

HvF: Immer mit weiter ableiten.

Frage: Ja aber, es gibt doch irgendwo Grenzen.

HvF: Eben nicht, das ist das Schöne, da kann man immer wieder weiter.

Frage: In der Logik!

HvF: Yes, genau.

Frage: Aber in der Realität?

HvF: Wo ist die Realität? Wo haben Sie die?

Frage: Das Endliche, der Tod...?

HvF: Das ist ja nur Ihre Erfindung.

Frage: Der Tod? Der Tod ist aber doch keine Erfindung?

HvF: Der Tod? Nein, das ist keine Erfindung, das ist eine Befreiung.


« Letzte Änderung: September 19, 2008, 10:23:28 am von admin » Gespeichert
musiclover
Gast
« Antworten #1 am: September 12, 2008, 11:36:58 pm »

Danke fuer diesen Beitrag

das Interview ist herzenserfrischend;-), (war es auch schon bei der Doku)
Und gibt der Wissenschaft den Ihr gebuehrenden Platz.

Mein Leben wurde von einem Schlag getroffen, bei dem es auch um Leben und Tod geht.

Und dieser Beitrag hat es geschafft, dass ich wieder klarer sehe.
Danke.
Da meine Zeit momentan nicht so reichlich zur Verfuegung steht
werde ich spaeter weiter meine Reaktionen vertiefen.

Nur denke ich, dieses Interview, sagt schon sooo viel

und ich bin froh, denn dieses CernDings, selbst wenn ich es liebevoll betrachte, kann ich nur sagen
so viel aufwand, fuer diese kleine forschung?
dabei gaebe es so viel  spannenderes zu erforschen
Was Forschung so forscht, finde ich sowieso meist seltsam

ich bin froh, das hier gefunden zu haben, denn die ganzen medienaufmacherei ging mir schon soo auf den Zeiger.
Dieses Interview  laesst dem ganzen doch sehr die Luft raus.

Alles Liebe+
bis bald
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