Stewart Brand

Biografie

Interview Text
Interview Video
Whole Earth Catalog
Die kalifornische Idee


 

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Biografie
Studium an der Phillips Akademie in Stanford Biologie, danach im 2.Weltkrieg Militärdienst bei der US-Luftwaffe. Fotojournalist im Pentagon.
Geht nach dem Armeedienst an die Westküste, ist dort Teil der counterculture. Ist nach dem Biologie-Studium an der Fakultät an einem Online-Institut beschäftigt, dem Western Behavioral Sciences Institute (WBSI), hier trifft er
auch mit Larry Brilliant zusammen. Brilliant ist Teil der Merry-Prankster Kommune „Hog Farm“, die die Security für das Woodstock-Festival organisierte .
Brand war „on the Bus“ mit Ken Kesey und den Merry Pranksters und einer der Organisatoren des Trips-Festival, der „Geburtsstunde aller Rockfestivals“.
Kreiert den Begriff "PERSONAL COMPUTER". 1968 Herausgeber des „Whole Earth Catalog“, ein Bestseller der Alternativszene. The Whole Earth Catalog war das Grundlagen-Buch für alternativen Lebensstil „und für die Generation, die die aufkommende Computerindustrie und ihre Anwendungen formte und beeinflußte“. Für die Gründung und Herausgabe des "Whole Earth Catalog" (1968-85) erhielt er 1972 den National Book Award. In den 60er Jahren ist Brand bei verschiedenen Projekten in der Bay-Area „Impresario für Multimedia-Performances“, arbeitet hinter den Kulissen und als Videokameramann bei der „Fall Joint Conference“ von Doug Engelbart an der Stanford University, der ersten Live-Multimedia-Show mit aus Computern life ausgespielten Bildern
von verschiedenen Orten.
1972 wird Stewart Brand Berater in Doug Engelbarts „Augmented Humen Intellect Program“ an der Stanford University. 1984 startet Brand das
„Whole earth `Lectronic Link“ or „THE WELL“, ein Computer Telekonferenz-System für das Gebiet der San Francisco Bay. Der Server von THE WELL befand sich in Sausalito (Halbinsel vor San Francisco) auf einem Hausboot.
Brand ist Gründungsmitglied der Electronic Frontier Foundation, einer Organisation die Bürgerrechte und Verantwortung in den elektronischen Medien unterstützt.
In den 90er Jahren ist Stewart Brand Wirtschaftsberater für die boomende Computerindustrie und Mitbegründer und Direktor von Global Business Network. Weiter hat er den GBN Book Club gegründet und ist Präsident
der The Long Now Foundation (longnow.org).
Diese Organisation realisiert u.a. das Projekt „The Clock Of the Long Now"-
eine Milleniums-Uhr. (zusammen mit Dannie Hillies).

Stewart Brand ist Autor zahlreicher Bücher, u.a.:
„Das Ticken des langen Jetzt“
Zeit und Verantwortung am Beginn des neuen Jahrtausends
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000

 

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Interview Text (Auszug)

Ken Kesey lernte ich durch Indianer kennen.
Durch Zufall war ich zu der Zeit Fotojournalist, und durch einen Freund erhielt ich den Job, Indianer in der Warm Springs Reservation in Oregon zu fotografieren. Also fotografierte ich diese Typen...und ich dachte, das ist ein wirklich interessantes, anderes Amerika, das ich bisher nicht kannte und mich sehr bewegte...und dann erschien Kesey’s Buch „Einer flog übers Kuckucks Nest“, in dem eine Figur vorkommt, die Häuptling Broom heißt, und Häuptling Broom wurde als ein Indianer aus dem Reservat dargestellt, wo ich fotografiert hatte. Das bestätigte mir, was ich schon selbst gefühlt hatte, nämlich daß Indianer wichtig waren. Durch einen gemeinsamen Freund erfuhr ich Keseys Adresse und schickte ihm meine Fotos, und er antwortete mit einer Notiz: Komm vorbei...
was ich tat, und ich wurde ganz selbstverständlich willkommen geheißen und gleich miteinbezogen...
„Being on the bus“, das hieß von „Acidtest“ zu „Acidtest“ zu fahren, was
Kesey’s Form von Performance-Kunst war... eine Band war mit dabei, die „Warlocks“, die späteren „Grateful Dead“ ...einige Leute waren ehemalige
Army-Angehörige so wie ich, einige waren Künstler...und alles war extrem improvisiert...

Das „Whole Earth Catalogue-Projekt“ hatte eindeutig auch diesen Bezugs- rahmen, aber konkret entstand es durch einen LSD-Trip, als ich mit etwa 200 Mikrogramm LSD intus auf einem Hausdach rumhing, weil ich nichts besseres
zu tun hatte, und über eine Vorlesung von Buckminster Fuller nachdachte, die ich kurz vorher gehört hatte. Und Fuller war, genauso wie McLuhan, einer,
dem wir damals zuhörten...
Wiener war im Heft, Cage ein bißchen...die ersten Leser und Kunden waren Kommunen, also Leute, die eine neue Gesellschaft aufbauen wollten.
Und ich versuchte, dafür das Werkzeug bereitzustellen. Und es stellte
sich heraus, daß eine Menge Leute daran interessiert waren.

Und die Kommunen, die versuchten, zu den Ursprüngen zurückzukehren,
Sie wissen schon, Landwirtschaft und solche Sachen, die hatten wirklich
gute Erfolge. Sie lernten ernsthaft, Landwirtschaft zu betreiben.
Ein Buch, das wir über den „Whole Earth Catalog“ vertrieben, hieß „Ziegenhaltung“, und war ein sehr beliebtes Buch. Hol dir das Buch, hol dir
ein paar Ziegen, und du machst es einfach: Milch und alles.
Aber das führte dann nicht sehr weit, es war im Grunde eine andere Art Sackgasse wie Drogen, während manche Technologie, manches von der alternativen Energiegewinnungstechnologie sehr vielversprechend war. Langsam ging es mit Solarenergie los, und das wächst heute noch, ebenso mit Computertechnologie... und weil der Gegenkultur-Hippie-Bezugsrahmen für alle möglichen Außenseiter offen war, zog das auch die Computer-Außenseiter und Hacker an und wurde zu derem Bezugsrahmen, und dann wurde das in einer wirtschaftlich-erfolgreichen Variante auch die Basis für PCs und für jedermann zugängliche Software, dann für das Internet und das World Wide Web und so weiter und so fort. Und deshalb ist ein Haupterbe der Sechziger, meines Erachtens, dies: alles was mit Computern zu tun hat, als offenes System
zu begreifen.

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Whole Earth Catalog
Das Ethos der 60er und 70er Jahre, normalerweise assoziiert mit „Hippie“,
aber beinahe austauschbar mit „Hacker“, hatte einen wichtigen Einfluß auf die Entwicklung des Internet und seinen Gebrauch.
Computerwissenschaft war um 1968 herum ein cooles, neues Gebiet, und Networking war „funky“. Das Ethos der Sechziger trug dazu bei, das Evangelium des Networking weiter zu fördern und zu verbreiten.
Wie Steve Jobs später bemerkte, „fanden die Sechziger tatsächlich erst in den Siebzigern statt“. Die späten 70er und frühen 80er Jahre markierten durch die Erfindung des Personal Computers den nächsten wichtigen Meilenstein in der Ausbreitung des Netzes.
Der Begriff "PERSONAL COMPUTER" wurde erstmals von Stewart Brand, dem beständigen Bahnbrecher kultureller und technologischer Ideen verwendet.
Im Jahre 1968 begründete und publizierte er The Whole Earth Catalog, das Grundlagen-Buch für alternativen Lebensstil - und für die Generation, die die aufkommende Computerindustrie und ihre Anwendungen formte und beeinflußte. Als der zweibändige „Whole Earth Epilog“ publiziert wurde, wurde
in ihm auch "personal-computer“ Zubehör angeboten; daneben Bücher, die gelesen und Kurse, die besucht werden müßten - zum Zweck der Entmysti- fizierung von Computern und um das Mantra (und den Untertitel) des Whole Earth Catalogs zu erlangen: "Zugang zu Werkzeugen". Wie Stewart Brand erklärte, "war das Motto des Whole Earth Catalog gedacht als ein ‚Zurück zur Erde‘, aber tatsächlich hieß es wohl ‚zurück zu jeglicher Technologie, die für
Dich funktioniert‘. Also legten wir uns von Beginn an für Computer ins Zeug.
In unserem Magazin Co-Evolution Quarterly hatten wir eine ganzen Abschnitt über Personal Computer, bevor diese überhaupt existierten.“
In den späten 60ern wurde das ARPANet installiert, vor allem in an den Universitäten Californiens und an der Ostküste wie am MIT, die zu dieser Zeit bestimmt wurden von Hippie-Mode, Flower Power, Studentenaufstand, Antikriegsprotesten, Frauenbewegung und so weiter.
Die Hippies und die Hacker existierten friedlich nebeneinander inmitten
der Tumulte. Brand folgerte: "Die Hacker gewannen und die Hippies verlo-
ren. Sie gehörten zur gleichen Gruppe von Leuten. Dieselbe Haarlänge.
Nur daß die Hacker anstelle von Drogen Computer hatten. Ich denke, der Hauptunterschied ist, daß die Drogen niemals besser wurden und Computer einfach immer besser und besser und besser. Die Art von Geld, die man mit Drogen machen konnte, war problematisch, und die Art von Geld, die man mit Computern machen konnte, war phantastisch.

1968 erscheint die erste Ausgabe des „Whole Earth Catalog“, die letzte erscheint 1994. Die Startauflage beträgt 1000 Exemplare.
Der Katalog wird sofort ein Bestseller der Alternativszene.
Über die Inspiration, den Katalog herauszugeben, schreibt Stewart Brand:
„Ich flog im März 1968 nach Beerdigung meines Vaters von Illinois zurück nach Kalifornien. Im Flugzeug las ich „Spaceship Earth“ von Barbara Ward. Und ich hatte spontan die Idee von einem Versandhauskatalog, nach dem Muster von „Mr. Beans“.
Wichtig sollte sein: schneller „acess“(Zugriff): wo kriegt man etwas her.
Und ich dachte auch an die Ermahnung Buckminster Fullers: man hat 10 Minuten Zeit, um auf einen Einfall zu reagieren.“

Versandhandel gehörte zur ökonomischen Konstitution der USA.
Es gibt zwei Gattungen populärer Literatur aus der Dampfboot- und Eisenbahnära: den Versandhauskatalog und die Bedienungsanleitung.
Diese „How - to“ Bücher waren eine genuin amerikanische Literaturgattung
getreu dem Motto Fullers „how to make the world work“.

Angeboten wurden im Whole Earth Catalog Einzelteile, die nach Bedienungsanleitung zu einem funktionierendem Ganzen zusammengesetzt werden müssen. Dazu gab es Informationen über die Teile, und über ihr Funktionieren im Ganzen.
Fuller nannte eines seiner Bücher „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“. Fuller war eines der Vorbilder für Brand und die Communarden von Sausalito. Und so machte Brand nun einen „How to get“ oder „Acess-Katalog“, der zu den richtigen Quellen hinführte, mit dem Untertitel
„Acess to Tools“. Konsequenterweise eröffnete Brand den Katalog mit Schriften Fullers und der Abteilung „Whole Systems“.
Die WEC- Leute hielten sich fortan an Fullers Ratschlag: „Think global - act local“ und bastelten an einem Netzwerk sozialer, technischer und intellektueller Beziehungen, in dem jedes autonome Individium - wie ein Knoten - mit allen anderen verbunden sein kann.
Die „tools“ waren sowohl Hardware, aber vor allem Software:
Texte und Schriften von Norbert Wiener, Buckminster Fuller, John Cage, Henry David Thoreau, Warren McCulloch, Heinz von Foerster, Gregory Bateson oder John Brockman.
Das sollten Werkzeuge für eine Wiedergeburt der Zivilsation und einen Bruch
mit der Gesellschaft auf der Suche nach nichtkorrumpierten Quellen sein.

Brand nahm damit die Traditionslinie des amerikanischen Transzendentalismus auf - von Emerson, Thoreau und Margaret Fuller bis zu Buckminster Fuller.
Thoreaus „Walden“ ist für die Whole Earth Gemeinde „the prime document of America´s 3rd revolution, now in progress“.
Als „how to manual“ instruiert der Katalog den Leser, wie man z.B. selbst eine Hütte (cabin) baut, und welche Werkzeuge man dafür braucht.
Sozialistische Konzepte der „freien Assoziation“ kamen in Übereinstimmung mit den Konzepten einer Neurophysiologie, die ihr Pionier Warren S. McCulloch (Mentor von Heinz von Foerster) als „experimentelle Epistemologie“ verstand.

Der Whole Earth Catalog kam aus der Haight-Ashbury Gegenkultur und
Stewart Brands Thesen waren bald das Evangelium für alle Kommunarden, die ein alternatives Leben in den Wäldern von Mendocino und der Wüste außerhalb Santa Fe´s führten.
„Es ging in den 60ern darum, die Zivilisation nach unseren Vorstellungen
zu verändern, und IBM-Großrechner in Personalcomputer zu verwandeln...
wir hatten Geld es zu tun, wir hatten Zeit es zu tun, und wir nahmen LSD
was uns die abgedrehten Ideen eingab, das alles auszuprobieren. Sich was reinpfeifen und es selber machen, nicht erst um Erlaubnis zu fragen.“
(Stewart Brand)

 

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Die kalifornische Idee
von Richard Barbrook und Andy Cameron

(Auszüge)

Ende des 20.Jahrhunderts führt die Konvergenz der Medien - der Computer
und der Telekommunikation - zu einem Hypermedium.
Durch die Integration verschiedener Technologien mittels gemeinsamer Protokolle wird etwas erzeugt, was mehr als die Summe seiner Teile ist.
Die Änderung bestehender Arbeits- und Freizeitformen scheint absehbar.
Und es scheint einfache Erklärungen für komplexe Vorgänge zu geben,
und einen neuen Glauben - die kalifornische Ideologie.

Dieser Glauben entwickelte sich aus der Verschmelzung der kulturellen Boheme aus San Francisco mit den HighTech Industrien des Silicon Valley. Hier verband sich der frei schwebende Geist der Hippies mit dem unernehmerischen Antrieb der Yuppies, getragen vom tiefreichenden Glauben an das emanzipatorische Potential der neuen Informationstechnologien.
In der kommenden digitalen Utopie würde jeder reich und gut drauf sein.
Neben dem Kult der Extropie an der Westküste (Moravec, Minsky u.a.) würde durch den Einsatz der Informationstechnologien eine neueDemokratie im Geiste Jeffersons erstehen. Diese utopische Vision basierte allerdings auf willentlicher Blindheit gegenüber den Gegebenheiten an der Westküste: Rassismus, Armut und Umweltzerstörung.

Am 15. Mai 1965 gibt Gouverneur Ronald Reagan bewaffneter Polizei den Befehl, gegen protestierende Hippies vorzugehen, die den Peoples Park in der Nähe des Campus der UCLA besetzt hatten: „ordentliche Welt“ und „Gegenkultur“ - die Fronten schienen klar - freies Unternehmertum und Unterstützer des Vietnam-Krieges auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Hippies und der Kampf für soziale Veränderungen und gegen Vietnamkrieg. Das waren zwei Visionen von Amerikas Zukunft. In den 60er Jahren waren die Radikalen der
Bay Area die Pioniere der politischen Einstellungen und des kulturellen Stils der
neuen linken Bewegungen der westlichen Welt. Hippies träumten einem Utopia ohne Autos, einer ökologisch vertretbaren Industrieproduktion und einem Alltagsleben in gemeinschaftlichen Gruppen.
Einige wollten diese Ziele durch Abkehr vom technischen Fortschritt erreichen, für andere wiederum schien klar, dass technologischer Fortschritt liberale Prinzipien unweigerlich zu gesellschaftlichen Tatsache machen würde, wie
von McLuhan und Norbert Wiener vorausgesagt.
Diese Technophilen glaubten, daß durch die Konvergenz der Medien, durch Computer und Telekommunikation eine „elektronische Agora“ entstehen würde, und die Macht der großen Unternehmen und Regierungen durch die Auswirkungen der neuen Technik gebrochen würde.

Die Radikalen der US-Westküste engagierten sich für alternative Presse, kollektive Radiostationen, Clubs für selbstgebaute Computer und Videogruppen. Diese Medienaktivisten glaubten sich an der Front für ein neues Amerika.
Diese Pionierarbeit wurde großzügig von HighTech- und Medienindustrien gefördert. Dabei spielten neben dem enthusiastischen Engagement von Amateuren bei der Entwicklung der Bildtechnologien des Computers und der Netze vor allem staatlichen Suventionen eine grosse Rolle.
Privates Unternehmertum auch, aber nur als ein Teil in einer gemischten Ökonomie. Von Colossus bis zum EDVAC, von Flugsimulatoren bis zur virtuellen Realität hing der Fortschritt in der Computertechnologie in entscheidenden Momenten von staatlichen Forschungsgeldern ab.
Das Internet z.B. hing während der ersten 20 Jahre seiner Existenz fast vollständig von amerikanischer Entwicklung ab, ungeachtet von wichtigen Erfindungen durch Hobbyprogrammierer und Studentengruppen.

Die Westküste selbst war das Ergebnis einer gemischten Ökonomie: Infrastruktur erhielt öffentliche Förderungen ebenso wie die HighTech-Industriekomplexe - Milliarden von Steuergeldern flossen in den Kauf von Flugzeugen, Raketen, elektronischen Systemen und Atombomben von
kalifornischen Unternehmen. Das war nicht das Dogma des „freien Marktes“, sonderen eine staatliche Wirtschaftsplanung aus Mitteln des Verteidigungshaus-halts. Gleichzeitig bestimmten wesentliche Elemente des Lebensstils der Westküste aus der langen Tradition der kulturellen Boheme, wie New Age, Spiritismus, Popmusik und alternative Kultur das gesellschaftliche Klima.

Das Ergebnis des Kampfes zwischen amerikanischem Establishment mit der Gegenkultur (wie in „Peoples Park“) war die Zerschlagung der Gegenstrukturen von Hippies und schwarzen Bürgerrechtsbewegungen durch eine Kombination von staatlicher Repression (Black Panther) und kultureller Mitarbeit.
Anstatt offen gegen das System zu rebellieren, akzeptierten diese HighTech-Handwerker, daß individuelle Freiheit nur unter den Bedingungen des technischen Fortschritts und des „freien Marktes“ erreicht werden kann.
Das entspricht einem populären amerikanischen Geschichtsbild:
die Nation entsteht in der Wildnis durch die Aktivitäten von Individuen.
Der Bau des Cyberspace wurde so zum Bestandteil der weiteren Fragmentierung der amerikanischen Gesellschaft in durch Rassenangehörigkeit bestimmte Klassen, statt zu einer Integration dieser Klassen zu führen.
Die immer stärkere soziale Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft schafft eine beklemmende Vorstellung von der digitalen Zukunft: die „Technologien der Freiheit“ werden zu Maschinen der Herrschaft, zu elektronischen Fußfesseln, die wieder zu Jeffersons Plantagenbesitz und doppelter Moral hinführen.
Die Unruhen der 80er Jahre in Los Angeles lösten die Furcht vor einem Aufruhr der Unterschichten aus bilden den Hintergrund für eine verstärkte Suche nach einem neuen Golem und nach starken und loyalen Maschinensklaven.
So führt der Weg des technologischen Fortschritts anscheinend nicht zu einem „neuem Amerika“, sondern eher zurück zum „Amerika der Gründerväter“, zu Thomas Jefferson „Erschaffung einer neuen Zivilisation, die auf den ewigen Wahrheiten der amerikanischen Idee gegründet ist“.